user_mobilelogo

Herzlichen Dank meinerseits  an Erik und Anne!

 

Hilfe, mein Hund knurrt – und jetzt?


Knurren ist Kommunikation!

Die Kommunikation der Hunde ist ein sehr komplexes und weites Gebiet. Als ich begann, mich näher mit Körpersprache und Ausdrucksverhalten von Hunden zu beschäftigen (u.a. ist die DVD „Das Kleingedruckte in der Körpersprache des Hundes“ von Dr. Ute Blaschke-Berthold bei mir eingezogen) war ich schnell ziemlich erschlagen „wie viel da so dranhängt“.

Bis vor einiger Zeit war für mich eigentlich klar, dass ein Hund weder mich noch einen anderen Hund anknurren soll. Dementsprechend sollte Knurren unterbunden werden, z.B. durch „Aus“, „Scht“.

Stellen wir uns mal folgende (vermenschlichte) Beispielsituation zwischen Goofy und Mimi vor:

Goofy fühlt sich von Mimi bedrängt, Goofy hat schon die ganze höfliche Palette für „Du bist mir zu nah, geh bitte weg!“ körpersprachlich dargestellt. Mimi konnte darauf aber nicht reagieren sondern rückt Goofy weiterhin auf die Pelle.

Goofy findet die Nähe von Mimi zwischenzeitlich richtig doof und beginnt zu knurren. Das Knurren hört Goofys Herrchen und weist seinen Hund mit einem ärgerlichen „Scht, hörst Du wohl auf zu knurren!“ zurecht.

Für Goofy, der sich durch die Nähe von Mimi bedroht gefühlt hat, ist noch etwas Unangenehmes, nämlich die Zurechtweisung (Strafe) von Herrchen, dazu gekommen – als Konsequenz für das Knurren.

Goofy lernt also, dass Situationen, in denen er sich veranlasst fühlt zu knurren zusätzlich richtig doof sind, weil Herrchen dann auch noch aufgebracht ist und mit Zurechtweisung (Strafe) reagiert.

Wird Goofy damit die Nähe von anderen Hunden zukünftig besser ertragen können oder wird er noch angespannter sein, weil er in der Situation auch noch Strafe von seinem Hundehalter erwartet?

Ich denke es ist klar worauf ich hinaus will.

Knurren ist Teil der hündischen Kommunikation

Knurren gehört zum ganz normalen Ausdrucksverhalten eines Hundes wie das Stirnrunzeln bei uns Menschen. Es ist ein Weg, wie der Hund seiner Umwelt mitteilen kann, dass er sich unwohl fühlt und z.B. Abstand braucht. Knurren soll dem gegenüber signalisieren:

„Bitte komm nicht näher, entferne Dich von mir, sonst muss ich noch deutlicher werden!“

Es ist also Bestandteil normaler Kommunikation. Es sollte das Recht jeden Hundes sein, seinen Unmut zu äußern. Auch wenn wir Menschen vielleicht nicht unbedingt nachvollziehen können, weshalb der Hund in einer Situation so reagiert. Für den jeweiligen Hund gibt es einen Grund.

Wenn ein Hund knurrt, hat er eine Stufe erreicht, in der seine bisherige Körpersprache nicht ausgereicht hat, um sein Bedürfnis nach Sicherheit (z.B. Abstand zum anderen Hund, Menschen usw.) zu befriedigen. Schaut man genauer hin, dann kündigen Hunde „Knurren“ bereits durch eine Reihe vorgeschalteter Warnungen an. Werden die Warnungen ignoriert, dann knurrt der Hund, um seine Warnung deutlicher zu machen.

Was alles passiert bevor ein Hund knurrt:

 

Eskalationsleiter – von Konflikt- und Beschwichtigungssignalen zu Beißen, Zupacken und Angreifen. Aggressionsverhalten hat (fast) immer eine Vorgeschichte von körpersprachlichen Signalen, die nicht wahrgenommen wurden oder ignoriert werden.

Wenn diese Zeichen vom Gegenüber ignoriert oder nicht verstanden werden, knurrt er.

Wir Menschen sind für das Knurren natürlich viel empfänglicher. Es ist ein Geräusch, dass wir deutlich wahrnehmen, deutlicher als körpersprachliche Zeichen wie z.B. ein „Blinzeln“, „Wegschauen“ u.s.w.

Deshalb lohnt es sich, bei Situationen in denen ein Hund plötzlich knurrt, mal drauf zu schauen, was der Hund in den Sekunden (oder Minuten) davor gezeigt hat.

Meistens wird dann klar, dass das Knurren doch nicht so plötzlich kam sondern der Hund vorher schon deutlich gezeigt hat, dass er sich bedroht/nicht wohl fühlt.

Was also tun wenn ein Hund knurrt?

Lobe und belohne den Hund dafür, dass er knurrt! Belohne ihn damit, dass du den Auslöser für das Knurren, wenn möglich, entfernst (anderen Hund abrufen, dich selbst zurücknehmen und nicht weiter auf den Hund zubewegen etc.).

Was passiert, wenn Knurren bestraft wird (verbal mit bedrohlichem Ton oder mit bedrohlicher Körperhaltung dem Hund gegenüber etc.)?

Nach den Lerntheorien wird das Verhalten durch Strafe zukünftig weniger gezeigt, also das Knurren wird seltener auftreten.

Gut, oder? Ist ja das, was man damit beabsichtigt.

Die Frage ist nur, wie wird ein Hund zukünftig zeigen, dass er sich unwohl fühlt, wenn er gelernt hat dass Knurren nicht zum Erfolg führt sondern bestraft wird?

Blicken wir mal auf die Eskalationsleiter. Was kommt nach Knurren? Abschnappen oder im schlimmsten Fall Beißen.

Lösen wir uns also mal von der Sorge, was andere von einem denken, wenn der Hund knurrt.

Warum ist Loben und Belohnen besser?

Knurrt der Hund und wird er gelobt und/oder gemarkert und belohnt, spricht man lerntheoretisch von Verstärkung. Das Verhalten (Knurren) des Hundes wird belohnt, etwas Positives passiert.

Dies hat zur Folge, dass das Knurren zukünftig öfter oder länger gezeigt wird, bevor der Hund die nächste Eskalationsstufe (Schnappen/Beißen) betreten muss.

Wird mit dem Hund mit Verstärkung und/oder Marker gearbeitet, so ist der Marker und das Lob/die Belohnung etwas für den Hund Angenehmes.

Dadurch wird langfristig eine weitere Eskalation unwahrscheinlicher.

Längeres Knurren gibt uns als Hundehalter länger die Chance einzugreifen indem wir die bedrohliche Situation auflösen (z.b. selbst weggehen vom Hund, einen anderen Hund abrufen etc).

Als Dogwalker kommen solche Situationen hin und wieder vor.

Ich bin froh um jeden Hund, der knurrt, wenn ihm etwas nicht passt / er sich bedroht fühlt.
Denn dann habe ich die Möglichkeit zu managen und die Situation möglichst aufzulösen bevor eine Beißerei entsteht. Und ich weiß, auf welche Situationen ich künftig ein Auge habe.

Eine Lösung sieht z.B. so aus. Goofy knurrt Mimi an. Goofy wird gemarkert und Mimi abgerufen.

Das Abrufen des „angeknurrten“ Hundes schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe:
1. Der Hund, der knurrt muss nicht weiter eskalieren weil der Auslöser fürs Knurren sich entfernt. (Knurren wird schon alleine vom Weggehen des Angeknurrten verstärkt, es stellt einen funktionalen Verstärker dar.)

2. Der angeknurrte Hund bekommt eine sinnvolle Lösung gezeigt: Wenn ich angeknurrt werde, gehe ich lieber weg und werde dafür belohnt.

Hier seht ihr zwei Videos von Anne.

Im ersten Video sind meine eigene Ridgebackhündin Makeba und die kleine schwarz-braune Hündin Kaya zu sehen. Kaya findet große und fremde Hunde unheimlich und droht sehr sauber und deutlich. Makeba hat Probleme sich von Kaya zu lösen. Kayas Drohverhalten und Knurren ist in der Vergangenheit häufig gemarkert und belohnt worden. Kaya hat also gelernt, dass Knurren und Drohen sogar erwünscht ist. Makeba brauchte einige Sekunden bis sie sich von Kaya abwenden konnte. Als Makeba bei Sekunde 6 nach links sehen konnte, konnte Kaya ohne weiteres Eskalieren weggehen.

 

 

Das zweite Video ist am nächsten Tag entstanden. Hier musste Kaya nicht lange drohen, Makeba konnte relativ schnell weitergehen und hat Kaya „in Ruhe gelassen“. Kaya ist ebenfalls weggegangen. Das Weggehen wurde für beide Hunde belohnt.

 

 

Wenn euer Hund euch anknurrt, wenn er knurrt wenn ihr seinem Spielzeug zu nahe kommt usw. dann holt euch im Zweifel lieber einen Trainer, der über positive Verstärkung mit euch und eurem Hund arbeitet. Findet heraus, was das Bedürfnis des Hundes ist und wie ihr ihm zu mehr Sicherheit verhelfen könnt, so dass der Hund nicht mehr knurren muss. Ignoriert das Knurren nie und bestraft es bitte nie. Knurren ist tolle und deutliche Kommunikation! Freut euch, dass euer Hund es zeigt und euch die Chance gibt, zu reagieren!

PS: Leider reicht es nicht aus für eine Verhaltensveränderung das Knurren zu verstärken. Es müssen zwingend weitere Trainingswerkzeuge verwendet werden, um Problemverhalten positiv zu bearbeiten.

Erik Hammer / Oktober 2015

Anne Rosengrün, Welserstr. 4, 90489 Nürnberg

 

 

 

 

Heute 0 : Gestern 8 : Besucher: 4259